Geschichte

Hier erfahren Sie interessante historische Fakten über die Pyrker Stiftung.

In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, zur Zeit Grillparzers, lebte ein Bischof mit dem Namen Ladislaus Pyrker. Für gewöhnlich wirkte er in Ungarn als Erzbischof von Erlau, ein paar Jahre brachte er es sogar zum Patriarchen von Venedig. Aber wenn der Sommer ins Land kam, zog es ihn jedes Jahr in das Gasteiner Tal, um die angenehme Wirkung des Gasteiner Heilwassers an seinem eigenen Körper zu erleben.

Pyrker

Bischof baut auf „irdische“ Quellen

Doch die Kurbad-Besucherinnen und Besucher wurden immer zahlreicher und im Wildbad wurde es dem Bischof zu eng. Mehrere Eingaben Pyrkers, das Heilwasser abzuleiten, wurden von kaiserlichen Kommissionen zurückgewiesen. Doch Pyrker ließ sich nicht entmutigen und entschloss sich zu einem Experiment: Er ließ das Heilwasser in ein Fass abfüllen, gerichtlich versiegeln und mit einem Pferdetransport nach Bad Hofgastein bringen. Nach einem rund dreizehnstündigen Transport betrug die Wassertemperatur – streng amtlich dokumentiert – immer noch 30 Grad (gegenüber 36 bei der Abreise). Pyrker war überzeugt, dass die nächste Eingabe mit diesem Testprotokoll erfolgreich sein würde und vertraute auf seine guten Beziehungen zum Habsburger Hof. Schon als Forstamtsleiter im Stift Lilienfeld hatte er Mitglieder des Kaiserhauses bei der Jagd im Ötschergebiet begleitet. Daher kaufte er vorsorglich in Bad Hofgastein ein Haus vom örtlichen „Platzhirschen“, dem Bierbrauer Joseph Moser, um hier in Zukunft seine privaten Badekuren machen zu können. Tatsächlich genehmigte Kaiser Franz I. am 23. August 1828 den Bau einer Thermalwasserleitung (anfangs in Lärchenholzrohren) nach Hofgastein. Damit wurde ein wichtiger Grundstein für eine langjährige Kurtradition in dieser Region gelegt! 

Heilwasser für Soldaten

Pyrker blieb jedoch noch weiter aktiv. Er kaufte auch das Grundstück neben seiner Villa, - ein schlossähnliches, festungsartiges Gebäude - , widmete es zu einem Badekuren-Haus um, und schenkte es 1832 dem Kaiser zur Regeneration seiner Soldaten. Das war die Geburtsstunde der „Erzbischof Ladislaus von Pyrker und Erzherzog Albrecht Gasteiner Badestiftung“. 10 Jahre später, 1842 war es endlich amtlich: Kaiser Ferdinand I. bestätigte in seinem Stiftbrief die 1832 erfolgte Schenkung des Badehauses zur Behandlung seiner Soldaten. Nach dem Zerfall der Monarchie ging die Stiftung 1918 in die Verwaltung des damaligen Bundesministeriums für Soziale Verwaltung über. Daran hat sich seither – sieht man von der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg ab – nichts geändert. Stiftungszweck war die Heilfürsorge von Geschädigten nach dem Kriegsopferversorgungsgesetz.
1964 wurde das alte Gebäude abgerissen und das jetzige Kurhaus „Ferdinand Hanusch“ errichtet – ein nüchterner Zweckbau im Stil der damaligen Zeit. Das störte die Leute im Tal aber weniger als die Tatsache, dass das Haus nach dem berühmten Sozialpolitiker der Ersten Republik und nicht nach Bischof Pyrker benannt wurde.1978 wurde der Stiftungszweck erweitert und damit das Tor zur Behandlung von Personen geöffnet, die nicht an den Folgen des Krieges zu leiden hatten. 

Die Stiftung in der Krise

Nachdem das Klientel der Kriegsopfer immer weniger wurde, hatte das Kurhaus Ferdinand Hanusch ab Beginn dieses Jahrtausends immer mehr mit Auslastungsproblemen zu kämpfen. 2005 lag sie nur bei rund  60 Prozent. Außerdem nagte der Zahn der Zeit am Gebäude und es gab Einiges zu renovieren, sodass sich angesichts sinkender Einnahmen bei steigenden Ausgaben bald die Existenzfrage stellte. Aber: Solange der Stifterwille und somit der Stiftungszweck nur irgendwie erfüllt werden kann, hat die Stiftung zu bestehen – so die Meinung der Finanzprokuratur, die Hüterin der bundeseigenen Stiftungen. Damit war guter Rat teuer. Viele Gespräche mit möglichen Kooperanten folgten. Und auch hier bestätigte sich wieder einmal das viel strapazierte Wort, dass jede Krise auch eine Chance ist. Mit der Versicherungsanstalt für Eisenbahnen und Bergbau (VAEB), die das Haus „Hohe Tauern“ gegenüber vom „Hanusch-Haus“ führt, entstand eine klassische „Win-Win-Situation“. Das „Kurhaus Hanusch“ hatte Platz, das Haus „Hohe Tauern“ brauchte Platz. Die VAEB war schon nahe daran, ihr Haus durch einen Zubau zu erweitern. Die Gespräche begannen. Hier kam unser Bischof wieder indirekt ins Spiel. Seine inzwischen in die Jahre gekommene, renovierungsbedürftige, aber denkmalgeschützte Villa, stand mittlerweile leer. Die Stiftung kaufte sie zusammen mit dem angrenzenden Grundstück 2005 von der Gemeinde mit der Perspektive, dieses für beide Häuser nutzbar zu machen. 2007 schloss die Stiftung mit der VAEB einen Kooperationsrahmenvertrag, dem 2009 ein Betriebsführungsvertrag folgte.  Weiteres siehe unter „Kooperation“